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Beschäftigung mit dem Werk

Die Ausstellung in Kevelaer  zeigte  als erstes Bild im Rundgang das Selbstportrait Henschels als Druckstock (HH_0852) sowie das fertige Resultat als Druck (HH_0622). Auffällig an dem Bild sind die Linien, die sich kreuz und quer über das gesamte Werk legen. Der Kunsthistorikerin Indra Peters war schnell klar, dass Henschel nie und  nimmer eine Linie unbewusst angelegt hatte. Es musste einen anderen Grund gegeben haben.

Die Lösung lag so nahe, dass man sie nicht auf Anhieb erkennen konnte.

Henschels Lieblingsmaterial für seine Druckstöcke waren bekanntermaßen Resopalbrettchen. Jene grauen Frühstücksbrettchen, wie sie früher in fast jedem Haushalt zu finden waren. Irgendwann muss Henschel angefangen haben, damit zu experimentieren. Seine Wahl fiel auf ein Brettchen, das schon längere Zeit in Benutzung seines eigentlichen Zweckes gewesen war. Eben als Frühstücksbrettchen. Somit ist dieser Druckstock vermutlich Zeugnis der Entstehung vieler Drucke auf diesem ungewöhnlichen Material.

 

Der originale Druckstock HH_0852 nach der Vollendung (gespiegelt)

 

Der Druck HH_0622, wie er im Museum zu sehen war.

 

Der Probedruck HH_0600 mit Beschriftungen durch Henschel (1983)

Im Henschel-Archiv haben wir nun einen Druck gefunden, der einen Zwischenschritt dokumentiert (HH_0600). Ein Probedruck der die Arbeitsweise Henschels aufzeigt. Dieser Probedruck zeigt aber auch sehr deutlich, dass Indra Peters richtig lag. Deutlich kann man die Vertiefungen erkennen, die Wurst- und Käsemesser auf dem Brettchen hinterlassen haben. Seine Beschriftungen zeugen auch von den Problemen, die die Verwendung dieser Brettchen mit sich brachte. Die Platten sind mit fast 2 mm Stärke einfach zu dick. Trifft die Walze der Druckerpresse auf den Druckstock, schiebt sie ihn teilweise vor sich her. Henschel reagierte darauf, indem er die Kante schliff, um einen geschmeidigeren Übergang zu schaffen. Um sie rutschsicherer zu machen, legte er einen dünnen Lederlappen unter den Druckstock.

Die Beschriftung hält auch fest, dass Henschel der Pressdruck nicht hoch genug war. Erhöhte er ihn, wurde die Gefahr des Verschiebens ebenfalls größer. Später verlegte sich Henschel auf ein dünneres Material.

Die Recherche zu Henschels Materialwahl brachte auch eine weitere Antwort, die bei den Führungen häufig gestellt wurde. Sie lautete: „Wie lange hat der Künstler gebraucht, um einen aufwändigen Druckstock zu gestalten?“ In einem Fall hat Henschel diese Frage tatsächlich selber beantwortet. Beim Druckstock HH_0943 hat er auf der Rückseite die Dauer notiert. Dort ist zu lesen: „1985 beendet 1996“. 11 Jahre lang hat Henschel benötigt, bis er mit dem Motiv zufrieden war. 11 Jahre!

HH_0943 – Radierung einer niederrheinischen Katstelle

 

Rückseite des Druckstocks HH_0943: Begonnen 1985 // beendet 1996