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Die Reproduktion der Erzählwelten

Der erste Probedruck einer der Repros der Erzählwelten Henschels war eine Enttäuschung. Um diese filigranen Welten zu erschaffen, muss man dabei bedenken, dass Henschel vermutlich u.a. auch einen Einhaarpinsel verwendet hat. Details, die wir auch mit einer Lupe kaum wahrnehmen können, stellten uns reproduktionstechnisch vor eine große Herausforderung. Die gängigen 300 dpi wie sie in der Druckerei verwendet werden, vermochten diese Strukturen nicht aufzulösen. Der Blick auf den Druck unter der Lupe im Vergleich zum Original zeigte die Unterschiede.

Daher beschlossen wir sämtliche Erzählwelten bzw. Bilder, die solch feinste Linien und Punkte aufweisen, erneut zu reproduzieren. Wir haben diesen Prozess einmal dokumentarisch begleitet.

    

Als Erstes wird ein Original wieder von seinem Rahmen befreit. Hatten wir vormals viele Bilder während der Aufnahme im Passepartout belassen, entschlossen wir uns diesmal dazu, sie davon zu befreien. Die 1,7 mm hohe Kante des umrahmenden Kartons warf immer einen hauchdünnen Schlagschatten auf das Motiv, der später im Druckbild beschnitten werden musste. Dies bedeutete aber den Verlust von Teilen des Motivs. Nun wollten wir vollformatige Ergebnisse ohne Verluste und dies ohne Wenn und Aber. In der Konsequenz hieß dies: Raus aus der Verklebung und nur das Original an sich auf die Reprobühne.

Dieses Mal verzichteten wir ebenfalls auf die Ausleuchtung mittels Kunstlicht. Einfaches homogenes und gleichmäßiges Tageslicht im Schatten ersparte zum einen eine spätere Angleichung an die tatsächlichen Farben, andererseits arbeiteten wir nun wirklich so, wie unser Auge es wahrnimmt.

  

Wir reproduzieren mit einer vollformatigen DSLR-Kamera aus dem Hause Nikon. Die D810 bietet mit ihrem FX-Sensor mit 32 Millionen Pixeln eine der höchsten Auflösungen. Als Optik dient jener Micro-Nikkor, der als schärfstes Nikon Makroobjektiv überhaupt gilt. Es ist die manuelle 55mm // 1:3,5er Linse aus den 70er Jahren. Zur Tonwertkontrolle und ggf. farblichen Justierung wird die Vorlage generell mit Farbkarte und Graustufenskala aufgenommen.

Am Rechner wird dieses Ergebnis dann von den ursprünglichen 300 dpi auf satte 1440 dpi umgewandelt. Exakt die hochdichte Ausgabe, wie sie der präzise Hochleistungslaser unserer Hausdruckerei verarbeiten kann. Als letzten Schritt nach der eigentlichen Ausschnittgebung wird das Bild auf die Maße verkleinert, welche dem Originalbild entsprechen.

Schon sehr früh haben wir uns entschlossen, niemals vergrößerte Darstellungen der Bilder Henschels zu erzeugen. Sie sollen immer nur exakt so groß sein, wie Henschel sie gemalt hat. Wer Details entdecken möchte, der muss schon die Lupe in die Hand nehmen. Dann aber sollte auch der Druck das gleiche detaillierte Bild liefern wie das Original. Dies war und ist unser Anspruch.

Entspricht die Aufnahme unseren Kriterien, geben wir der Arbeitsfläche noch etwas Raum und vergrößern das Umfeld auf die Größe des gewünschten Blattes auf dem der Druck letztendlich produziert wird. Die Dateigröße einer einzelnen kleinen Repro liegt nunmehr bei fast einem Gigabyte. Der Upload zur Druckerei wird häufig zum Geduldsspiel. Der Datendurchsatz auf dem platten Land entschleunigt die Sache dann naturgemäß.

Am spannendsten ist dann der Moment, wenn wir einen Druck erstmals aus der Druckerei geliefert bekommen. Dann heißt es Handschuhe an und Lupe gezückt. Hält der Druck den Vergleich mit der Werk des Künstlers stand? Nur wenn er es tut, landet er im Portfolio unseres Verlags. Nur dann und nur ohne Kompromisse. Heinz Henschel hätte es nicht anders gewollt.

Die Kunstdrucke können im Kunstverlag David erworben werden.